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Zwangs-Kurse, AMS-Schulungen

Allgemein

Wer vom AMS eine Leistung bezieht, wird früher oder später mit der Zuweisung zu einem Kurs konfrontiert werden. Es soll angeblich eine Richtlinie geben, wonach etwa jedes halbe Jahr, nach manchen Berichten teilweise sogar alle 3 Monate und nach meinen Erfahrungen etwa 1-3 Mal pro Jahr ein allgemeiner "arbeitsmarktpolitischer" Kurs vorgesehen ist, häufig auch "Maßnahme" genannt.

Grundsätzlich erst einmal freundlich, ruhig und kooperativ bleiben. Oft sind dies allgemeine "Bewerbungskurse", teilweise kommen in diesen aber auch diverse grundlegende Fachinhalte vor (häufig etwa Deutsch als Fremdsprache oder einfache Computer-Kenntnisse). Die Kurse selbst sind zumindest manchmal nur "halb so schlimm", man trifft auch nette Leute und erfährt mitunter sogar das eine oder andere Wissenswerte. Die Trainerinnen oder auch Trainer (die Geschlechterverteilung dürfte heute eher ausgewogen sein) sind meist selbstständig auf Honorarbasis tätig und größtenteils recht freundlich bzw. erträglich, manche aber auch zumindest zeitweise etwas schwierig.

Prinzipiell sind diese Kurse aber großteils eher sinnlos bzw. eine politisch motivierte Zwangsmaßnahme - wer einen Kurs besucht, gilt nicht als arbeitslos. Oft ist es auch einfach nur ein "Zeit absitzen", bzw. soll man sich mittels Zeitungen und Computer dort einen Job suchen. Vorkenntnisse werden bei der Zuweisung üblicherweise nicht oder nur wenig berücksichtigt - Medienberichte wie "Englischkurs für Manager" gab es in letzter Zeit doch einige. Eine seitens des AMS geäußerte Begründung für diese Kurse ist auch "einfach in Ruhe beziehen gibt es bei uns nicht", ob die Kurse auch tatsächlich den beabsichtigen Zweck erfüllen, scheint nebensächlich zu sein.

Die Grundaussage eines solchen Kurses kann auch sein dass alles nebensächlich ist, Hauptsache man hat so schnell wie möglich wieder irgendeinen Job, auch wenn dieser noch so unattraktiv ist. Dies wird manchmal sogar offen zugegeben (Quelle: http://www.soned.at/70853b4cafa70cba0c362dfafbc94b3e.html). Wirkliche "Gehirnwäsche" ist es aber nicht unbedingt, auch wenn es Berichte von anderen in dieser Art gibt.

Üblich sind auch "Gruppenspiele" bzw. in einer Gruppe zu erledigende "Arbeitsaufgaben", beispielsweise die Lösung von Rätselaufgaben wie "Wem gehört der Fisch?" oder Berichten zu Folge ein gewisses "Flugzeug-Spiel". Es gehört schon ein bisschen Gefühl dazu das zu sagen, was die Leute hören wollen. Ich hielt es für die beste Lösung, so wenig wie möglich zu sagen wenn man nicht gefragt wird und schon gar nicht "dagegen zu reden", es sein denn es ist eine wirklich höflich gesagte und konstruktive Wortmeldung. Unaufgefordertes Mitschreiben auf Zettel, die dann sowieso oft wenig später im Altpapier landen, kann auch einen guten Eindruck machen.

Wer hingegen freiwillig in einen bestimmten Kurs gehen möchte, sollte sich dafür gute Argumente überlegen, da diese oft nicht so leicht vergeben werden. Wer einen Kursbesuch verweigert, gilt als arbeitsunwillig (was eine Bezugssperre von mindestens 6 Wochen zur Folge hat), außerdem gilt jeder Tag des Kurses als Kontrolltermin, dessen Versäumen auch eine Leistungseinstellung nach sich ziehen kann.

Ein Fernbleiben vom Kurs ohne Konsequenzen ist üblicherweise nur mit einer Zeitbestätigung (bei Arzt- oder Behörden-Besuchen) oder einer Krankmeldung möglich, auch sollte dies möglichst rechtzeitig vorher persönlich oder telefonisch angekündigt werden. Eine Zeitbestätigung bei Vorstellungsgesprächen wird meist als kontraproduktiv angesehen, hier muss man vorher aber rechtzeitig bekannt geben, zu welcher Firma man geht. Sofern dies am Anfang nicht gesagt wird, vorher im Kurs fragen, wie dies gehandhabt wird.

Prinzipiell gibt es bei Zuweisung zu einem Kurs 3 Möglichkeiten - entweder hingehen, krank oder aus einem anderen wichtigen Grund verhindert sein, oder sich vom AMS abmelden (was einem natürlich jederzeit freisteht, wie dann die finanzielle Lage aussieht, ist eine andere Sache). Bei Verweigerung eines Kurses, oder wenn jemand kommentarlos gar nicht erst hingeht, ist eine Bezugssperre für mindestens 6 Wochen vorgesehen. Daher wäre es in diesem Fall eher sinnvoller, sich kurz vor Beginn des Kurses selbst abzumelden - siehe auch "Abmeldung vom AMS".

Achtung, es gibt auch Kurse, die rechtlich als Arbeitsverhältnis geführt werden (siehe zum Beispiel "Trendwerk") - aus diesen kann ein Ausstieg dann eventuell schwieriger sein.


Bekannte Kursformen

Der Umfang der Kurse kann recht unterschiedlich sein, meist dauern sie insgesamt einige Wochen, in einigen Fällen aber auch einige Monate. Von einem halben Tag pro Woche bis zu täglich außer Samstag, Sonntag und Feiertag ist alles möglich. Mir sind folgende Kursformen bekannt:

* Bewerbungsbüro (ca. 4 Wochen, etwa 4 Stunden an 2 Tagen pro Woche) - dies ist eine "kleine" Version des Resourcenpools

* Resourcenpool (8 oder eventuell 12 Wochen, Mo-Fr vor- und nachmittag, Fr vormittag) - Es geht darum, eine möglichst große Anzahl von "Blindbewerbungen" zu versenden. Gibt es soweit ich gehört habe nicht mehr.

* Jobcoaching (5 Wochen, in den ersten beiden nur je ein "Einzelgespräch" von ca. einer halben Stunde, anschließend an 4 Tagen pro Woche jeweils vor- und nachmittag abwechselnd ca. 4 Stunden. Kann auch am Freitag nachmittag stattfinden)

* ??? - (Einige Wochen, 1 Tag pro Woche ca. 4 Stunden)

* Arcade (je nach festgelegten Kursmodulen zu Beginn 3-27 Wochen) - enthält auch "Qualifizierungen" wie "Deutsch als Fremdsprache", "Grundqualifizierung für Lagerarbeiter", "Gastgewerbe" oder "EDV-Grundkenntnisse"

* Qualifizierung und Vermittlung (13 Wochen, Mo-Fr vor- und nachmittag, Fr vormittag) - Ähnlich wie "Arcade", der Schwerpunkt liegt ebenfalls eher bei Fachinhalten. Es werden jedoch grundsätzlich alle ohne Rücksicht auf Vorkenntnisse in eines der Kursmodule gesteckt.

* Jobexpress (6 Wochen, Mo und Di sowie Do und Fr jeweils 4 Stunden am Vormittag) - Bewerbungstraining und Gruppenspiele

* Sozialökonomische Betriebe (SÖBs) - dies ist eine besondere Form eines Kurses, die gern bei Langzeit-Arbeitslosen angewandt wird und direkt das möglichst rasche Hineindrängen in irgendeinen Job zum Ziel hat, oder eine Art "Beschäftigungstherapie". Ist rechtlich oftmals ein Arbeitsverhältnis, zum Teil werden aber auch durchaus sinnvolle Tätigkeiten angeboten - aber mit den üblichen Folgen bei Verweigerung.

* Job Suche Intensiv mit EDV - Das "Übliche", "Einzel-Coaching", "Bewerbungstraining" und ein Kurs über MS-Office-Programme.

* PRISMA*V - Klingt nach verschärftem Programm (siehe http://www.best.at/gefoerderte-personalentwicklung/prismav/33.htm), auf das ich dann auch schon verzichtet habe.

* Generell kann davon ausgegangen werden, dass zumindest alle paar Jahre neue Kursformen unter jeweils neuem Namen "erfunden" werden.

* Angeblich ist das Minimum heute 5 Wochen (nach einem anderen Bericht 6 Wochen) mit 5 Stunden täglich (üblicherweise Mo-Fr wenn Werktag), und das Maximum 12 Wochen (also ca. 3 Monate) ganztags. Ich kenne aber auch einen Erfahrungsbericht von Ende 2008 aus der "berüchtigten" Maßnahme Phönix, wo es jetzt eher locker zugehen soll, und nur einmal pro Woche ein kurzes "Gruppentreffen" vorgesehen ist, dazwischen kann es aber Anrufe zwecks Stellenangeboten und (trotzdem angenehmen) "begleiteten" Vorstellungsgesprächen geben.

(Quelle: http://www.soned.at/8ba07d09af5f501b97ce3fbc31f26dd0.html und ein Freund)


Institute, die solche Kure im Auftrag des AMS durchführen (das AMS selbst hat sie soweit ich weiß auch schon abgehalten, ist aber eher selten), sind etwa

* bfi (das "rote" Gegenstück zum "schwarzen" Wifi) - www.bfi.at
* ibis acam - www.ibisacam.at
* Die Berater - www.dieberater.com
* Best - www.best.at
* Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung (bekannt für das Projekt "Phönix") - www.ges-aw.at

auf deren Websites oder auch bei einer Suche auf der AMS-Seite finden sich zum Teil auch nähere Informationen.

"Venetia" führte auch lange Zeit Schulungen durch, geriet jedoch 2007 in finanzielle Schwierigkeiten, 2009 wurde schließlich die Verwicklung in einen Skandal bekannt (siehe http://derstandard.at/?url=/?id=1233309306855%26sap=2%26_pid=11918301)
Oliver (Gast) - Montag, 7. Februar 2011, 13:10

Coaching - was sonst ...

Nun mal langsam. Wenn ich NOTstandshilfe beziehe befinde ich mich offensichtlich in einer NOTlage. Wenn ich es alleine nicht schaffe, aus dieser NOTlage wieder rauszukommen, bin ich nicht zu stolz, in einen AMS Jobcoaching-Kurs zu gehen. Alles andere ist doch reine Selbstlüge (oder ein "Abfinden" mit der Situation - nicht selten in Kombination mit Alkoholmissbrauch und Depression anzutreffen). Ich (53) war bereits dreimal in einem Jobcoaching Kurs - und meine Meinung: "ich versuche halt jedes Jahr, eine neue Strategie auszuprobieren - auch der Arbeitsmarkt hat sich im letzten Jahr wieder verändert ..." Außerdem gibt es jetzt auch beim AMS selbst ein Coaching. Ich bin seit ein paar Wochen im AMS Laxenburger Straße bei einem wunderbaren Coach, der viele neue Tipps auf Lager hat.

Oliver

hocknstad - 11. Feb, 18:23

Man kann nicht unbedingt pauschal sagen, dass diese Jobcoachings und dergleichen nur "Mist" sind, ich habe selber auch die eine oder andere positive Erfahrung gemacht.

Nach meiner Erfahrung war das Hauptziel aber schon

1. Kursbesuch = offiziell nicht arbeitslos, und
2. so schnell wie möglich in irgendeinen Sch***job hineingedrängt werden, ob man überhaupt über die Probezeit kommt ist eher zweitrangig

Wenn jemand nicht mit Alkohol umgehen kann, Probleme beim Bezahlen von Rechnungen etc. hat, dann sollte das AMS gleich von Anfang an hilfreich bei der Vermittlung an Einrichtungen sein, die sich darum kümmern. Bevor das nicht gelöst ist, hilft ein Jobcoaching auch wenig.

Nachdem ich schon länger nicht mehr beim AMS gemeldet bin, wäre interessant, wie nach der Ankündigung "dass 3x jemand den gleichen Kurs besucht, wird es nicht mehr geben" die aktuelle Lage aussieht.

Ich kenne aber einen Fall, wo jemand in einen SÖB gekommen ist, und die Arbeitsbedingungen dort deutlich besser sind als in "wirklichen" Firmen, wo er früher war. Wäre dann auch eine annehmbare Alternative zu "Zeit absitzen" oder "Jobcoaching besuchen".
anonymous (Gast) - 21. Aug, 11:49

Also mich hat das AMS jetzt am anderen Ende von Wien in ein Kurs geschickt wo ich um 08:00 dort sein muss , ich finde es eine frechheit das ich 3,60€ für den transport bezahlen muss und nur 1,10€ rückerstaten bekomme und das ich um 05:00 oder früher aufstehen muss damit ich irgendwo im 14Bez. bin und das mir wie eine geistig zurückgebliebener erklärt wird wie ich Bewerbungen schreibe als gebe es in I-net nicht Millionen von Muster oder ehnliches .. ich perönlich bin ab Morgen 5 Wochen im Krankenstand da ich mir den Weg nicht leisten kann und da ich bessere Chancen habe zuhause eine arbeit am PC zu finden anstatt stundenlang mir die Gehirnwäsche von unqualifizierten Leuten anhören die mit einen 3 Monats Kurs zum Berater geworden sind !

Danke & Ende
hocknstad - 31. Aug, 18:12

Kurs am Ende der Welt + Fahrtkosten

Wahrscheinlich argumentiert das AMS, dass man zu einer wirklichen Arbeit ja auch Fahrtkosten hätte. Theoretisch könnte es auch Anspruch auf den "Mobilpass" geben (damit Monatskarte um ca. 15 Euro, oder eine Einzelfahrt mit einem Streifen eines Halbpreis-Fahrscheins).

Nur gibt es dann eben immer noch Zumutbarkeits-Kriterien, was die Wegzeit angeht, und einen Kurs muss man ja unter Androhung der Leistungs-Einstellung besuchen (also wahlweise "Freiheitsstrafe" oder "Geldstrafe").

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